Linsen im Teig und Feuer für die Käsestangen: Jörg Schmid und Johannes Hirth wollen den Bäckerberuf wiederbeleben. Auf der Messe befeuern sie unser liebstes Lebensmittel: Brot

Bis zum frühen Morgen stehen sie in ihren Backstuben im Raum Stuttgart, wenige Stunden später kneten sie bei der Frankfurter Buchmesse auf der Bühne ihren Teig: Jörg Schmid und und Johannes Hirth sind zwei junge Bäcker, die ihre Bäckereien in Gomaringen und Bad Friedrichshall mittlerweile beide in vierter Generation führen. Kennen gelernt haben sich die zwei Männer vor einigen Jahren auf der Meisterschule – und beschlossen, dass sie das verstaubte Image des Bäckerberufs aufpeppen wollen. Unter dem Namen „Wild Bakers“ vermarkten die zwei Bäcker Rezepte und Backkurse sowie ein Buch, das im September erschienen ist.
Mit ihrer Marketingstrategie scheinen Hirth und Schmid einen gesellschaftlichen Nerv getroffen zu haben. Wer sich im Gourmet-Bereich der Frankfurter Buchmesse umsieht, trifft andauernd auf genau das, was auch die „Wild Bakers“ nun herausgebracht haben: Bücher über das Brotbacken. Obwohl die Erfindung Brot jahrtausendealt ist, dominiert der gebackene Teiglaib heute wieder die Verlagssortimente und Kochblogs. Das merken Hirth und Schmid auch in ihren Bäckereien: Vor zwei Jahren noch, sagt Hirt, seien Fingerfood-Kochkurse wesentlich gefragter gewesen als Brotbackkurse. „Heute haben wir fast keinen Kurs zum Brotbacken mehr, der nicht ausgebucht ist“, sagt Hirth.
Einen Grund dafür sehen die zwei Bäcker auch in den Veränderungen, die Backshops und Ketten für die Branche gebracht haben. Viele Menschen hätten das Vertrauen in ihren Bäcker verloren, sagt Schmid – und wollen ihre Brötchen deshalb lieber selbst backen.