Vor genau 20 Jahren unterschrieben in der italienischen Stadt Bologna Bildungsminister aus 29 europäischen Ländern eine Erklärung, die das Hochschulsystem in Europa reformieren sollte: Studierende sollten in Zukunft im zweistufigen Bachelor-Master-Modell studieren und für ihre Leistungen in ganz Europa einheitliche Punkte erhalten.
 
Wer seinen Bachelorabschluss in Frankfurt macht, sollte ohne Probleme einen Master in Maastricht oder Lyon anschließen können. Auch der Hochschulwechsel für nur ein oder zwei Semester sollte auf diese Weise vereinfacht werden. Ziel war es, Studierenden den Weg ins Ausland zu erleichtern und so zum Austausch zwischen europäischen Ländern anzuregen.
 
Schon wenige Jahre nach der Einführung der Reform in Deutschland stieg der Anteil der deutschen Studierenden, die zum Studium ins Ausland gingen, deutlich an. Waren es 2003 noch rund 50.000 Studierende, studierten zehn Jahre später 110.000 Studierende in Ländern, die sich an der Hochschulreform beteiligen. Das sei ein Erfolg der Bologna-Reform, heißt es im nationalen Umsetzungsbericht von 2012.
 
 
Während die Zahl der deutschen Studierenden im Ausland deutlich anstieg, kamen zwischen 2003 und 2013 nur vier Prozent mehr Studierende aus Ländern, die sich an der Reform beteiligen, nach Deutschland.
 

Eigentlich sollten alle europäischen Studiengänge bis 2010 an das neue System angepasst werden. In vielen Ländern dauerte die Umsetzung aber wesentlich länger. Sie haben nun bis 2020 Zeit, ihre Hochschulsysteme endlich anzupassen. Mittlerweile sind 48 Länder dem Europäischen Kulturabkommen beigetreten und haben erklärt, die Ziele des Bologna-Prozesses in ihren eigenen Hochschulsystemen umzusetzen.

Kritiker werfen den Regierungen bei der Umsetzung der Hochschulreformen große Mängel vor: Zwar steigt die Mobilität europäischer Studierender von Jahr zu Jahr, aber noch würden nicht alle im Ausland erbrachten Leistungen anerkannt. Viele Studierende müssten nach der Rückkehr Leistungen nachholen.

Auch wenn die Bologna-Reform immer noch nicht komplett umgesetzt wurde, kann die Einführung einheitlicher Standards in Europa zumindest einen Erfolg verbuchen: Studenten in Europa werden immer mobiler und verbringen einen Teil ihres Studiums bei ihren europäischen Nachbarn. Wenn sie zurückkommen, sind sie nicht nur um ein paar ECTS-Punkte reicher, sondern auch um neue Erfahrungen, Eindrücke und Ansichten.