Seit 32 Jahren arbeitet Maria Klein als Partnervermittlerin. Nach ihrem Sozialarbeitsstudium fing sie bei einer Partnervermittlung an, um die Zeit bis zum ersten richtigen Job als Sozialarbeiterin zu überbrücken. Aus dem Pausenfüller wurde ein Dauerzustand aus Überzeugung. Noch heute trifft sie ihre Kunden immer persönlich und erstellt erst dann ein Profil.

Warum kommen Menschen zu Ihnen anstatt online auf Partnersuche zu gehen?

Die meisten meiner Kunden haben es schon online probiert, aber die Menschen beschreiben sich dort oft so, wie sie gerne wären, und nicht so, wie sie sind. Man kann nicht wirklich sicher sein, woran man ist. Man investiert Zeit, schreibt, telefoniert, fährt womöglich sehr weit und trifft dann auf einen Menschen, der überhaupt nicht den Vorstellungen entspricht. Solche Enttäuschungen will man sich dann ersparen.

Welche Fähigkeiten haben Sie denn, die ein Computer nicht hat?

Ein Computer geht ja nach Algorithmen. Zum Beispiel schreibt jemand bei den Hobbys Skifahren und Bergwandern, der andere spielt vielleicht Golf. Diese beiden werden sich nicht vorgestellt. Für den Computer haben sie nicht genug Matching-Punkte. Dadurch, dass ich die Menschen kennenlerne, weiß ich, ob es vielleicht gar keine Rolle spielt, dass sie verschiedene Hobbys haben. Sind sie beide offen, flexibel und neugierig, probieren sie die Hobbys des anderen aus oder machen jeder etwas für sich. Ich vermittle manchmal Menschen, die vom Papier her gar nicht zusammen passen. Ich hab sie aber persönlich kennengelernt und gemerkt, dass sie vom Typ einfach passen. Das kann ein Computer nicht.

Maria Klein im Portrait mit lila Bluse

Wichtig ist vor allem, wie man sein Leben gestalten will

Wer sind denn die Menschen, die Sie vermitteln?

Das sind Menschen, die keine Lust und keine Zeit haben, in Bars oder im Internet rumzusausen, um den Richtigen zu finden. Als ich angefangen habe, waren die meisten über 50, viele verwitwet. Heute ist nur noch ein kleiner Teil verwitwet, die meisten sind geschieden. Das Alter fängt jetzt schon bei Ende zwanzig an. Alle haben schon gewisse Erfahrungen und Erwartungen. Wichtig ist vor allem die Frage, wie man sein weiteres Leben gestalten will. Wenn man mit Ende zwanzig auf Suche nach einem Partner zum Kinderkriegen ist, müsste man das ja alles sofort beim ersten Date abfragen. Wenn eine Agentur jemanden vermittelt, weiß man schon, ob derjenige die gleichen Wünsche für die Zukunft hat.

Wenn das Foto nicht stimmt, verlieren viele schon das Interesse

Was hat sich in den über 30 Jahren sonst noch verändert?

Früher waren die Menschen sehr offen, einfach jemanden kennenzulernen, den ich ihnen vorschlage. Bis vor drei oder vier Jahren habe ich gar keine Fotos mitgeschickt, und die Leute haben einfach meiner Auswahl vertraut. Heute ist der Mensch sehr visuell orientiert. Wenn das Foto nicht stimmt, verlieren viele schon das Interesse. Da versuche ich dann zu überzeugen, wenigstens mal zu telefonieren. Darauf lassen sich die Kunden auch ein und sagen später nach dem Treffen, dass die Person in echt mit dem Foto nichts mehr gemein hatte.

Wieso sehnen sich eigentlich so viele Leute nach einer Partnerschaft? Was fehlt, wenn man Single ist?

Man kann heutzutage alles alleine machen – alleine ausgehen, reisen, da ist die Welt sehr sehr offen geworden. Es fehlt dann aber doch der Partner, bei dem man sich geborgen fühlt, bei dem man Wärme findet, mit dem man über alles sprechen kann. Und ich stelle vor allem fest: in politisch unruhigen Zeiten wie jetzt haben Menschen ein besonderes Bedürfnis, nicht allein zu sein. Man hat zwar seinen Freundeskreis, aber das ist nicht das Gleiche.

Hobbys werden völlig überbewertet

Würden Sie sagen „Gleich und gleich gesellt sich gern“ oder „Gegensätze ziehen sich an“?

Natürlich ziehen sich Gegensätze an, das ist dann auch eine erotische Anziehungskraft, aber um dauerhaft mit dem Partner zu leben, ist das oft schwierig. Gegensätze findet man besonders am Anfang spannend und passt sich in der anfänglichen Verliebtheit auch mal einem anderen Lebensstil an, aber mit der Zeit lässt die Bereitschaft nach, Kompromisse zu machen. Deswegen schaue ich immer eher nach „Gleich und Gleich“. Das bezieht sich aber vor allem auf die Mentalität. Hobbys werden völlig überbewertet. Man sollte sich eher fragen, was man mit dem Partner zusammen tun will – zum Beispiel Spazierengehen, was man als Hobby gar nicht aufzählt. Bei einem sehr zeitintensiven Hobby muss es passen, aber alles andere lässt sich regeln.

Was ist am allerwichtigsten wenn die Beziehung auch auf Dauer halten soll?

Vor allem Freiräume. Das heißt nicht, dass der eine dem anderen fremdgeht, aber dass man seinen Freundeskreis behalten kann, dass man den Freundeskreis auch nicht unbedingt mischen muss. Manchmal sind die Kreise eben sehr unterschiedlich und man sollte dann nicht krampfhaft versuchen, alles unter einen Hut zu kriegen. Es ist wichtig, dass man den anderen auch lässt. Es wäre ein Fehler, alle anderen Kontakte schleifen zu lassen, weil man am liebsten nur noch mit dem Partner Zeit verbringen will. Irgendwann kommt auch mit der großen Liebe der Punkt, an dem man Lust hat, mal wieder andere Leute zu treffen. Genauso sollte man sich den Freiraum nehmen, den Hobbys weiter nachzugehen, die der andere nicht teilt.

Es ist wichtig, offen zu bleiben

Was macht denn die Liebe bei Ihnen persönlich?

Ich habe seit einiger Zeit einen Freund. Ich war viele Jahre verheiratet, habe aus dieser Ehe zwei Kinder. Die habe ich dann aber mit einem neuen Lebenspartner aufgezogen, erst mal alleine zwei drei Jahren und dann mit dem neuen Partner, der auch zwei Kinder hatte. Dann kam ein Partner, der keine Kinder hatte – ganz gemischt. Wichtig ist wirklich, dass man offen bleibt. Als ich damals allein war mit meinen zwei kleinen Kindern wollte ich auf keinen Fall einen Mann mit Kindern, weil ich dachte, dass meine mir reichen. Bekommen hab ich einen, der zwei Kinder hatte, die fast im gleichen Alter waren wie meine. Das hatte auch was. Man hat seine Vorstellungen, aber es ist wichtig, daran nicht zu fest zu halten. Heutzutage wollen viele alles abklären und abchecken, am liebsten sofort und innerhalb der ersten halben Stunde, aber man lässt sich zu selten den Freiraum, einfach mal zu gucken, wie es sich entwickelt.

Und noch eine kleine klischeehafte Frage zum Schluss…