Vom Sandtorhöft bis zu den Elbbrücken entsteht ein neuer Stadtteil: die HafenCity. Mit ihm gewinnt die dicht bebaute Hamburger Innenstadt fast die Hälfte ihrer Fläche hinzu, 127 Hektar. Ein Fünftel davon ist für öffentliche Plätze, Parks und Promenaden verplant, 7.000 neue Wohnungen und 35.000 Büroarbeitsplätze sollen entstehen. Damit wirbt zumindest die HafenCity GmbH, eine städtische Tochterfirma, die bestimmt und plant, wie sich der Stadtteil entwickelt.

2004 sind die ersten Bewohner in die kühnen Neubauten eingezogen. Rund um die Elbphilharmonie leben jetzt 3.000 Einwohner: grün, sozial durchmischt, innovativ. So jedenfalls will es die HafenCity GmbH.

Die westliche HafenCity, mit den Quartieren Dalmannkai, Grasbrook und Strandkai, ist weitgehend fertig gebaut. Wie passen dort Ideale und Realität zusammen?

Die HafenCity ist auch ohne Auto gut erreichbar, neben verschiedenen Buslinien auch mit der erweiterten U-Bahn-Linie 4. Trotzdem besitzen die Anwohner in der HafenCity verhältnismäßig viele Autos, wie der Vergleich von fünf Stadtteilen mit der höchsten PKW-Dichte im Bezirk Hamburg-Mitte zeigt.

Susanne Bühler von der HafenCity GmbH: „Das wird weniger. Das regulieren wir vor allem mit Stellplatzschlüsseln. In den bereits bewohnten westlichen Quartieren gibt es pro Wohnung einen Stellplatz. Im Baakenhafen werden dagegen für 100 Wohnungen nur noch 40 Stellplätze geschaffen.“

Wohnen am Wasser ist teuer. Die HafenCity GmbH begründet die Preise mit der zentralen Lage und erhöhten Baukosten – da alle Neubauten auf dem Wasser entstehen. Sozialwohnungen sind bisher kaum entstanden.

Für die östlichen Quartiere verspricht die HafenCity GmbH gemischteres Wohnen. Im „Modellquartier Baakenhafen“ sollen 1.500 neue geförderte Wohnungen entstehen, deren Miete bei 5,50 Euro pro Quadratmeter beginnt. Dass die Realität momentan so anders aussieht, begründet Bühler mit den politischen Rahmenbedingungen: „In den 1990er-Jahren standen geförderte Wohnungen in der Stadt leer, deswegen wurden im westlichen Teil der HafenCity keine gebaut. Erst seit 2011 existieren Sozialwohnungen wieder als Förderinstrument. Ein Drittel aller Neubauten sollen Sozialwohnungen sein – daran halten wir uns.“

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Besonders Familien mit Kleinkindern zieht es in die HafenCity. Auf sie warten bereits ein Kindergarten und eine Grundschule, eine weitere Grundschule soll 2019 im Baakenhafen eröffnen. In Planung sind auch mehr Kindergärten und eine weiterführende Schule.

Gelernte Lektionen: Überschätze deine Daten nicht! Zusammenhänge, die die Zahlen beweisen zu scheinen, sind meistens: Zufälle. Oder: Verzerrungen. Oder: die eigene Unwissenheit. Den Rest zu erhellen, darin besteht die journalistische Aufgabe.