Kleine Bauernhöfe stellen immer häufiger ihren Betrieb ein. Große Agrarbetriebe wachsen. Die EU-Subventionen können diesen Wandel nicht aufhalten.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe wird in der EU immer kleiner. Ein Trend, der sich auch in Niedersachsen zeigt. Waren es 2007 noch 48.000 Betriebe, so sind es 2016 nur noch 35.700. Davon waren 23 Prozent Großbetriebe (> 100 Hektar). Sie besaßen zusammen 60 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche, während sich die Gesamtfläche in den vergangenen Jahren kaum veränderte. Die Verteilung zeigt: Die Kleinbetriebe schließen, die Großbetriebe werden immer größer. Auch die EU-Agrarsubventionen können diesen Trend nicht verhindern. „Seit Jahren beobachten wir in Europa einen landwirtschaftlichen Strukturwandel zu Lasten der Kleinbetriebe“, sagt Rainer Gerlinger, Bezirksstellenleiter der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Vor 2013 entschied die Produktionsmenge darüber, wie hoch die Basisprämie für einen Bauernhof ausfiel. Seit 2013 hängt die Prämie von der Fläche des Betriebes ab. In Niedersachsen beträgt die Prämie aktuell 175 Euro pro Hektar. Klar, dass größere Betriebe auf diese Art mehr profitieren als kleinere. „Ohne die Subventionen würden die Kleinbetriebe aber noch schneller aussterben. Die EU versucht, diesen strukturellen Wandel durch finanzielle Unterstützung verlangsamen“, sagt Gerlinger.

Auswertungen von Daten des Landesamtes für Statistik Niedersachsen zeigen: Kleine Landwirtschaftsbetriebe bewirtschaften heute weniger Fläche als noch 1999. Der umgekehrte Trend zeigt sich für große Betriebe: Die Fläche, die sie bewirtschaften, verdoppelte sich in demselben Zeitraum fast. 

Den Rückgang an landwirtschaftlichen Kleinbetrieben erklärt Rainer Gerlinger auch mit Ernteausfällen in den vergangenen Jahren. Dadurch sank das Angebot an Weizen. Der Preis auf dem Weltmarkt stieg jedoch nicht an, da dieser von den Großproduzenten wie Russland, der Ukrainer und Australien bestimmt wird.  „Ein Ernteausfall in einem einzigen Land wirkt sich deshalb nicht groß darauf aus “, sagt Gerlinger und fügt hinzu: „Wir vermuten, dass der Preisdruck weiter zunimmt.“ Ein weiteres Problem sei bei einigen Bauern die Sorge um die Nachfolge: „In vielen Fällen wollen die Nachkommen der Landwirte den Hof nicht mehr weiterführen.“

Landwirt Arnd Berner hat diese Probleme noch nicht. Im Beitrag von Charleen Floreijn fordert er: Die EU muss noch mehr für Biolandwirte tun.

 

Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP)

Die GAP besteht aus zwei Säulen: Dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL) und dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Für Landwirte sind vor allem die Direktzahlungen aus dem EGFL entscheidend. Für 2019 hat erhält Niedersachsen aus diesem Fonds rund 747 Millionen Euro. Sie beziehen sich auf die bewirtschaftete Fläche und unterteilen sich in

  • Basisprämie (175 Euro pro Hektar)
  • Greeningprämie (85 Euro pro Hektar, wenn Grünflächen erhalten oder mindestens 5 Prozent des Ackerlandes ökoligisch bewirtschaftet werden)
  • Umverteilungsprämie (Bis zu einer Fläche von 30 Hektar erhält der Landwirt 50 Euro, danach 30 für maximal 16 weitere Hektar)
  • Junglandwirte-Prämie (44 Euro pro Hektar für maximal fünf Jahre, wenn der Landwirt nicht älter als 40 Jahre alt ist)