Seit 2014 wütet in der Ostukraine ein bewaffneter Konflikt. 1,6 Millionen Menschen haben die Regionen Lugansk und Donezk seitdem verlassen. 100.000 sogenannte Binnenflüchtlinge leben in Charkiw. Jelena ist eine von ihnen. Tina Srowig hat sie und ihre Familie getroffen. 

Jelena und ihre Familie sind das, was man Binnenflüchtlinge nennt. Ihre Heimat ist Lugansk, ganz im Osten der Ukraine, nur 20 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. In einer Juninacht 2014 steigt sie mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn Valerij in den Zug, um ihre Familie in Sicherheit zu bringen. Die Zugfahrt teilt Jelenas Leben in ein Vorher und ein Nachher. Äußerlich hat sie den Konflikt gut überstanden. In ihrem Inneren sieht es anders aus. 

Jelena und ihre Familie leben seitdem in Charkiw. Dort bekommen sie Hilfe der Organisation „Ukrainian Frontiers“.  Jelenas Sohn Valerij hat zwei Mal in der Woche einen Termin bei der Logopädin wegen seiner Sprachprobleme. Auch Jelena ist oft gestresst, schläft schlecht, ist niedergeschlagen. Zusammen mit einer Psychologin versucht sie hier aufzuarbeiten, was sie erlebt hat.

Jelena will nicht in Charkiw bleiben. Sie will zurück nach Lugansk, zurück in ihre alte Welt. Die liegt nur 300 Kilometer südwestlich. Keine große Entfernung. Doch die Reise ist gefährlich. Im Herbst 2014 war Jelena das letzte Mal dort und hat ihre Mutter besucht. Die will nicht weggehen. Sie muss das Haus bewachen, damit es keiner plündert, sagt sie. Doch inzwischen traut Jelena sich nicht mehr, dorthin zu fahren. Zu teuer, zu beschwerlich, zu gefährlich. „Unser größter Wunsch ist, dass es Frieden gibt und wir endlich zurückkehren können“, sagt sie.