Veddel braucht frischen Wind. Den sollte die Internationale Bauausstellung auf die einst vernachlässigte Elbinsel bringen. Und auch Studenten sollen für ein neues Image sorgen 

Das ehemalige Hafenarbeiterviertel Veddel liegt auf einer Elbinsel im Süden Hamburgs. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich hier Menschen unterschiedlicher Nationen angesiedelt. Von den rund 5.000 Menschen Bewohnern haben 71 Prozent einen Migrationshintergrund. Über 90 Prozent davon sind unter 18 Jahre alt.

 

Hamburg will wachsen, am liebsten nah an der Innenstadt. „Sprung über die Elbe“ heißt das Programm, mit dem neue Bewohner in die früher vernachlässigten Gebiete südlich der Elbe ziehen sollen. Zum Gelingen sollte die Internationale Bauausstellung beitragen, die von 2007 bis 2013 in Wilhelmsburg und Veddel stattfand. Das Ziel: die Bevölkerung zu durchmischen, eine höhere Lebensqualität zu schaffen und in bisher weniger beliebten Stadtteile attraktives Wohnen ermöglichen.

Und auch Studierende sollen den Sprung über die Elbe wagen. Seit zwölf Jahren bietet die Stadt Studenten und Auszubildenden finanzielle Unterstützung an, wenn sie nach Veddel ziehen. Wer gefördert werden will, muss sich als Wohngemeinschaft für einen monatlichen Mietzuschuss bewerben. Etwa 210 Euro kostet dann die Miete für ein WG-Zimmer, die Kaution entfällt. Die Stadt zahlt dafür einen Ausgleich an die Vermieter.

2004 hatte der damalige CDU-Senat das Studierenden-Programm auf der Veddel gestartet. Bisher hat die die Hamburger Investitions- und Förderbank 1,5 Millionen Euro investiert. Neben Veddel werden auch weitere Quartiere gefördert.

„Veddel ist jünger geworden“, findet Sorina Weiland vom Bezirksamt Hamburg-Mitte. Ein paar mehr Kneipen gebe es jetzt und mehr Geschäfte. Aber noch immer leben hier die meisten Migranten. „Dafür gibt es hier viel Engagement“, sagt Weiland. Die „Schule auf der Veddel“ und der Verein „Veddel Aktiv“, die sich für die Entwicklung im Stadtteil einsetzen oder das neue „Haus der Jugend“ – sie alle versuchen, vor allem die jungen Migranten einzubeziehen und möglichen Problemen entgegenzuwirken.

Schaut man sich die Bevölkerungsstruktur auf der Veddel an, hat sich in den vergangenen sechs Jahren nur wenig verändert. Der Anteil der Ausländer sinkt minimal, der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund steigt sogar leicht. Studenten hat es offensichtlich trotzdem nach Veddel gezogen. Die für Studenten subventionierten Wohnungen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA sind jedenfalls voll.

Und trotzdem zeigt sich kaum eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur. Hat das Projekt also nichts gebracht? „Man muss sich fragen, wie die Entwicklung gewesen wäre, wenn es das Projekt nicht gegeben hätte“, gibt Sorina Weiland vom Bezirksamt Hamburg-Mitte zu Bedenken. Vieles ließe sich außerdem nicht einfach an Zahlen und Statistiken ablesen.

Weiland spürt Belebung im Stadtteil. Sie glaubt, dass Veddel sich durchaus ein neues Image erarbeitet hat: „Es gab Zeiten, da hätten Studenten lieber anderswo in Turnhallen übernachtet, als auf die Idee zu kommen, hierher zu ziehen.“

Gelernte Lektion: Vor lauter Excel das Telefonieren nicht vergessen! Sich Daten und Zusammenhänge erklären lassen. Und am Ende die Geschichte nicht vergessen.