An düsteren Zukunftsszenarien fehlt es kurz vor dem geplanten Brexit nicht. Vor allem für die Wirtschaft soll es nicht gut aussehen: Der Handel werde erschwert, Güter würden teurer und Arbeitsplätze seien gefährdet.

Geht es um den europäischen Handel in der Post-Brexit-Ära, dann braucht es eigentlich keine Konjunktive: Der Brexit ist schon jetzt Realität. Schon bevor Großbritannien tatsächlich aus der EU ausgetreten ist, sind seine Auswirkungen deutlich bemerkbar. Das bekommt nicht zuletzt die Exportnation Deutschland zu spüren.

Eigentlich waren die deutschen Ausfuhren nach Großbritannien nach dem Tiefpunkt 2009 fast durchweg angestiegen. Seit 2016 geht der Trend aber wieder bergab. In Niedersachsen sieht das nicht anders aus: Wurden im Jahr 2015 Waren im Wert von 7,1 Milliarden Euro auf die Insel exportiert, waren es 2018 nur noch 6,2 Milliarden.

Das Jahr 2016 markiert also die Trendwende – es war das Jahr, in dem die Briten den EU-Austritt beschlossen. Dass der Exportrückgang also mit dem Brexit zu tun hat, liegt auf der Hand. „Der Brexit ist eine sehr unsichere Sache“, sagt Tonio Boer, Europaexperte bei der Industrie- und Handelskammer Hannover. Mitte März wisse man noch nicht, was Ende März passieren wird – und Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft. „Viele Unternehmen haben deshalb schon jetzt vor dem Austritt entschieden, ihre Tätigkeiten an der ein oder anderen Stelle einzuschränken.“

Großbritannien ist für Niedersachsen nur noch der drittwichtigste Handelspartner. Frankreich hat die Insel als Exportabnehmer überholt, die Niederlande bleiben das wichtigste Ziel für niedersächsische Waren. Trotz dieses Rückgangs: Natürlich bleibt Großbritannien ein bedeutender Partner für die niedersächsische Wirtschaft. Und jede politische Unsicherheit, jede wirtschaftliche Schwankung jenseits des Ärmelkanals wirkt sich auch auf dieser Seite aus.

Nicht nur in Niedersachsen zeigt der Trend nach unten. Auch in anderen Bundesländern geht der Export ins EU-Austrittsland zurück: In Bayern, in Nordrhein-Westfalen, in Baden-Württemberg.

Es fällt auf: Betroffen sind vor allem die vier Bundesländer, die besonders stark von der Autobranche abhängig sind. In diesen vier Ländern machen Kraftwagen den größten Anteil am Export aus, und in all diesen Ländern ist der allgemeine Exportrückgang auf sinkende Auto-Exporte zurückzuführen.

Das Brexit-Chaos ist also schlecht für die Konjunktur – nicht nur, weil Unternehmen zurückhaltender sind, sondern auch, weil Verbraucher weniger konsumieren, sagt Sandra Courant vom Verband der Automobilindustrie. Der Automobilmarkt in Großbritannien gehe gerade insgesamt zurück. „Ein neues Auto ist, neben einer Immobilie, eine große Investition, die in wirtschaftlich unsicheren Zeiten weniger getätigt wird.“ Und wenn die Briten weniger Autos kaufen, ist Deutschland als Autonation besonders betroffen. „Die meisten Autos verkaufen die deutschen Autobauer in Großbritannien“, sagt die Expertin.

Die Daten zeigen: Schon bevor die Briten aus der EU ausgetreten sind, ist der Brexit auch in Deutschland angekommen. Wenn der EU-Austritt dann tatsächlich vollzogen ist, dürfte das erstmal nicht besser aussehen.