Eine Kinokarte kostet 7,50 Euro. Kommt dazu noch eine kleine Tüte Popcorn für 4,50 Euro mit Cola für 3,00 Euro sind das schon 15 Euro. So zahlt eine fünfköpfige Familie 75 Euro für einen Kinobesuch. Der ist für 2,8 Millionen Kinder in Deutschland undenkbar: Fast jedes fünfte Kind lebt in einer Familie, die armutsgefährdet ist. Das bedeutet, dass das Einkommen der Familie weniger als 60 Prozent des mittleren nationalen Einkommens beträgt.

Konkret: Alleinerziehende mit einem Kind und einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 1.260 Euro gelten als arm. In Deutschland trifft das auf 46,8 Prozent, also fast die Hälfte aller Alleinerziehenden, zu. Zieht man Miete und Lebenshaltungskosten von diesem Betrag ab, bleibt kaum etwas für Freizeitaktivitäten übrig.

Kinderarmut in Deutschland heißt vielleicht nicht, dass Kinder nichts zu essen bekommen. Kinderarmut in Deutschland bedeutet Verzicht und soziale Ausgrenzung, wenn Kinder nicht mit ins Kino gehen, Markenkleidung oder gesundes Essen kaufen können.

In Deutschland ist mindestens jedes zehnte Kind von Armut betroffen. Der Blick auf die einzelnen Bundesländer zeigt: Ein Drittel der Kinder in Bremen ist armutsgefährdet. Das ist die höchste Armutsgefährdungsquote im Landesvergleich. Über ein Viertel der Kinder in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg Vorpommern sind ebenfalls armutsgefährdet. Die niedrigste Quote hat Bayern. Alleinerziehende sind überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen. Das Armutsrisiko steigt, je mehr Kinder in einer Familie leben.

Von Armut gefährdet
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Die Armutsgefährdungsquote für Kinder und Jugendliche ist in Deutschland seit zwölf Jahren fast gleich hoch. Auffallend: In vielen westdeutschen Bundesländern ist die Quote gestiegen, am stärksten in Nordrhein-Westfalen (17%) und im Saarland (16%). Im Osten ist die Quote dagegen gesunken.

Die Politik hat das Problem lange ignoriert. Im Koalitionsvertrag von 2013 wird das Wort „Kinderarmut“ nicht einmal erwähnt. Der neue Koalitionsvertrag macht dagegen Hoffnung: CDU, CSU und SPD haben sich darauf geeinigt, dass sie „ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Kinderarmut schnüren“ werden. Auch die neue Bundesfamilienministerin Franziska Giffey beteuerte, der Kampf gegen Kinderarmut sei ein Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Die Familienpolitik ist im Koalitionsvertrag 2018 prominent platziert: Bereits auf Seite 19 von 176 wird die Erhöhung des Kindergeldes um 25 Euro angekündigt. Familien, die von Armut betroffen sind, haben von dieser Erhöhung aber nichts, da das Kindergeld mit Hartz-IV verrechnet wird. Zudem sollen Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets verbessert werden, indem Eltern zum Beispiel kein Geld für die Mittagsverpflegung in Kitas und Schulen mehr bezahlen müssen. Das Ziel, kostenlose Kita-Plätze anzubieten, wird zwar genannt, nicht jedoch der Weg dahin. Gleiches gilt für die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz. Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert mehr: eine Kindergrundsicherung, damit alle Kinder die gleiche Chancen haben, am sozialen Leben teilzuhaben.